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Integrationsphase
FRAGEN
Wie würden die Ergebnisse abweichen, hätte man nicht 10, sondern 20, 30, 300 Einträge analysiert? Gibt es eine Zahl von Einträgen, ab der man behaupten kann, sämtliche Aspekte von Sofa erfasst zu haben?
Besteht sofa überhaupt aus sämtlichen Einträgen, oder eben nur aus den letzten 10? Aus dem allerletzten?
Wird eine Analyse, die zwangläufig mehrere Einträge behandeln muss, als wären sie gleichzeitig, dem Charakter eines Blogs überhaupt gerecht? Kommt nicht die zeitliche Abfolge, der Fluss des Blogs ins Ungleichgewicht mit dem anderen, dem thematischen Gliederungsprinzip eines Blogs? Wie ließe sich das vermeiden?
Gibt sofa einen Einblick in das Leben der biographischen Person Peter Praschl (und der anderen AutorInnen), wie es wirklich war? Liest man es, als wäre es authentisch (im Gegensatz zu fiktiv)?
Koppelt das Blogen auf das Leben Peter Praschl zurück? Ist er ein anderer, weil er blogt?
Ist die vorgeschlagene Typologie (Typ A Einträge mit medial vermitteltem Inhalt vs. Typ B Einträge mit privatem, primärem Inhalt) haltbar/sinnvoll?
Ist die Überzahl der Einträge vom Typ A nur in den 10 anlaysierten Einträgen so eklatant? Kommt die Scheu, Privates zu blogen, von der Furcht, Tagebucheinträge zu verfassen? Würden wichtige biographische Einschnitte (Heirat, Kinder...) im Blog thematisiert werden, und wenn ja wie?
Hat das "ich", das immer explizit in den Bewertungen der Sachverhalte auftaucht, etwas mit der Stimme/dem Sound/dem Subjekt von sofa zu tun? Ist das der Grund, warum man jeden Tag jeder Tag wieder auf sofa landet? Dass hier ein "ich" sich ausspricht, dem man zuhören will? Dass man wissen will, wie das weitergeht?
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ERGEBNISSE
(Dass 10 Einträge kein repräsentatives, sondern ein verzerrtes Bild eines Weblogs abgeben ist mir bewusst, das selbe ließe sich aber auch über 20, 30 oder 300 Einträge sagen. Irgendwo muss man eine Grenze ziehen. Die folgenden Aussagen beziehen also auf genau die 10 Beiträge, die ich untersucht habe, und stellen nicht den Anspruch darüber hinaus Gültigkeit zu besitzen.)
Verallgemeinernd lässt sich sagen
Jeder Eintrag behandelt genau ein Thema.
Die behandelten Sachverhalte werden nicht lange ausgeführt, meist werden sie nur kurz genannt, eine Bewertung der Sachverhalte ist meistens nur indirekt (zB durch die Kategorie, der der Eintrag zugeordnet ist) erkennbar, immer jedoch knapp.
Mögliche Typologie
a.) Einträge, die mediale Ereignisse thematisieren
b.) Einträge, die Persönliches/Primäres thematisieren
ad a.)
In der Überzahl.
Die Einträge thematisieren
Fernsehsendungen, Weblogs (hier, hier und hier), Zeitungsmeldungen und Popmusik.
Diese Einträge sind alle nach folgendem Schema formalisierbar:
"DAS habe ich DA gesehen (und finde es SO.)"
Der zweite Teil ("und finde es SO") ist optional, wird oft nicht explizit gemacht, sondern muss aus dem Kontext (Kategorienname, Zusatzwissen des Lesers usw.) erschlossen werden.
Auffällig ist auch noch, dass die Bewertung, wenn sie direkt gemacht wird, immer verbunden ist mit "meinetwegen", oder "ich", (auch "da" und "da")
Die Einträge machen also ganz explizit darauf aufmerksam, dass hier ein "ICH" spricht, dass also ganz persönliche Meinungen geäußert werden.
ad b.)
Einträge, die sich vermutlich auf die primäre, nicht medial vermittelte Lebensrealität der AutorInnen beziehen (wie dieser, dieser und dieser), wie es die Kategorien "Arbeit am Gefühl" und "Empfindsamkeit" dieser Einträge nahe legen, sind nicht so klar wie diejenigen, die sich auf mediale Ereignisse beziehen. Ihr Kontext bleibt offen, genaue Angaben zu tatsächlich vorgefallenen Geschehnissen oder Gefühlen gibt es nicht. Diese Einträge haben auch keine Links.
Überhaupt nicht kommen vor:
klassische Tagebucheinträge (wie "Heute schönes Wetter. Wieder Fischstäbchen gegessen. Mama war böse. Am Nachmittag musste ich Zimmer aufräumen. Mal sehen, ob Mama morgen wieder lieb ist."
Gedankensammlung (wie zB in Abfall für alle )
Herzensergießungen
längere Kommentare/Rezensionen
Es gibt keinen "taping it all-Anspruch" (mit Logbucheinträgen a la Cornflakes gefrühstückt, taz gelesen), es geht den Autoren offensichtlich nicht darum, sämtliche Lebensbereiche zu externalisieren oder zu jedem tagesaktuellem Thema Stellung zu nehmen, sondern nur bestimmte Beobachtungen zu posten, die sie eben für blogwürdig erachten. Der oben vorgeschlagenen Typologie folgend sind dies tendenziell eher Beobachtungen im Bereich der Medien, als im Privatleben.
Eben weil kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht, gibt es wohl oft lange zeitliche Pausen zwischen einzelnen den Einträgen, dann mehrere Einträge knapp nacheinander.
Auch zu sofa gehört ein relativ homogene Gruppe von Lesern, die ähnliche Interessen teilen, die meist selbst Blogs führen, und häufig kommentieren, auf sofa verlinken und von sofa verlinkt werden.
Die Welt, die diese 10 Einträge von sofa also entwerfen, das Subjekt, das sich hier into existence schreibt, besteht also vor allem aus dem Raum der Medien, also Fernsehen, Zeitung, Internet und deren Inhalten. Sie beschäftigen sich mit Popmusik, mit Tagesaktuellem wie der Tour de France, mit der Blogosphere. Persönliche Erlebnisse und Befindlichkeiten fließen als Andeutungen ein.
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